Fußballsprüche im Logikcheck, pt. 1
Gestern war es wieder soweit: Während des fantastischen Wetters setzte ich mich, wie die anderen abermillionen Co-Bundestrainer auch, in eine Gastronomie mit Draußenbestuhlung und televisueller Übertragung des Spiels Deutschland vs. England. Und nach dem englischen Tor zum 2:1 kam wieder der Satz, der mich schon seit Jahren verfolgt:
"Wenn der Torhüter rausläuft, muss er ihn haben!"
Ich hab den Satz noch nie verstanden: Da das einleitende 'wenn' dem Torhüter ja scheinbar noch eine Wahl lässt, sollte er einfach niemals rausgehen. Denn logisch lässt sich der Satz ergänzen entweder zu:
"Wenn der Torhüter rausläuft, dann muss er ihn haben, wenn er stehenbleibt auch."
oder zu
"Wenn der Torhüter rausläuft, dann muss er ihn haben, wenn er stehenbleibt darf er ihn durchlassen."
Im ersten Fall kürzt sich der ganze Satz zu "Er muss ihn haben". Dann aber ist der Torhüter immer an jedem Tor schuld und man kann sich Debatten über Raum- vs. Manndeckung schlichtweg sparen. Im zweiten Fall wäre ich der weltbeste Torhüter, denn ich würde mich einfach bei Anpfiff faul an einen Torpfosten lehnen, einen Kasten Bier isotonisches und fürchterlich gesundes Sportgetränk in Griffweite, und mich der Lektüre eines guten Buches widmen. Zum Seitenwechsel trabte ich zügig zum gegenüberliegenden Tor, um ja nicht im Falle eines überraschenden Wiederanpfiffes als 'herausgelaufener Torwart' bezeichnet zu werden und somit wieder Schuld zu sein an den fallenden Toren. Dort angekommen, verbringe ich dann die nächste Halbzeit, um mich nach 90 Minuten (+ Nachspielzeit) zu erheben und besten Gewissens den Feierabend einzuläuten. Denn selbst nach einem 0:17 kann es ja nicht am Torhüter gelegen haben.