Sind Sie betrunken?
Heimradeln vom Büro mit einem kleinen Umweg zum Kontrollbesuch beim Zahnarzt. An und für sich unspektakulär, wäre da nicht 300m vor der Heimat noch ein aufdringlicher Autofahrer gewesen.
Auf der Fürther Karolinenstraße Richtung Westen fahrend war ich noch ca. 150 Meter vom links abbiegen in die Flößaustraße entfernt, als ich wenige Meter hinter mir ein Auto bemerkte, welcher, obwohl kein Gegenverkehr kam, stur hinter mir blieb in einem Abstand von höchstens 5 Metern. Nun bin ich ein umgänglicher Radfahrer und so deutete ich ihm mit der linken Hand an, dass er überholen kann (es war noch hinreichend weit bis zum abbiegen) und er nicht damit rechnen muss, dass ich kurzfristig doch noch links über die Straße ziehen werde. Er ignorierte dies und blieb weiter stur 'an meinem Hinterrad kleben', deutlich näher als der in der Fahrschule brav erlernte 'halbe Tachoabstand'. Nun wurde es mir ein wenig zu schummerig, also fuhr ich rechts ran und blieb stehen. Wer die Fahrbahnoberfläche an der Karolinenstraße kennt, weiß, dass das eine holprig-wacklige Angelegenheit ist. Das Auto, ein feldwaldwiesen-khaki-grüner Mercedes mit Fürther Kennzeichen, fährt vorbei, bog links in die Flößaustraße ab und blieb mitten auf der Straße mit Warnblinker stehen. Als Täglich-ins-Büro-Radler sehe ich ständig ähnlich bizarre Manöver und daher zog ich nur kurz die Stirn kraus, trat wieder in die Pedale und bog dann auch links ab, rechts an dem nach wie vor mitten auf der Straße stehenden Wagen vorbei.
Da erscholl ein Hupen. Und noch eins. Der Wagen gibt Gas, zieht an mir vorbei, fährt rechts ran, reißt die Tür auf und ruft mir, der ich mittlerweile wieder fast auf gleicher Höhe war, ein "Halt, Polizei!" entgegen. Nun war ich doch endgültig baff und blieb, mehr aus Verdutztheit denn aus staatsbürgerlichem Gehorsam, ein paar Meter weiter stehen. Der Fahrer steigt aus, kommt auf mich zu und fragt in einem Ton, der keinen Widerspruch oder Antwortverweigerung zulässt: "Sind Sie betrunken?" und zeigt mir dabei ein Ausweisdokument, auf dem ich auf die Schnelle zwar ein Dienstsiegel mit Bundesadler und irgendwas mit Polizei, aber keinen Namen oder Dienststelle erkennen konnte. Ich so: "Nein, wie kommen Sie darauf?", er so (in weiterhin ausgesprochen agressiven, autoritären Ton) "So wie Sie da gerade rumgewackelt sind, muss man ja zu der Annahme kommen. Fahren Sie einfach geradeaus und fuchteln sie nicht wild rum. Ich wäre ja fast mit Ihnen kollidiert." Auf meinen Einwand, dass ich mich durch sein dichtes Auffahren bedroht gefühlt habe, meint er mich unterbrechend, dass man ja bei Geschwindigkeiten von 20 km/h wohl kaum von Bedrohung reden könne. Auch im weiteren Dialog, der im wesentlichen aus autoritären Belehrungen seiner- und Antworten und Nachfragen meinerseits bestand, blieb die Unterbrechung meiner Sätze ein sehr beliebtes Stilmittel. Nach 3 Minuten war der Spuk vorbei und ich fuhr vollends verdattert von dannen.
Um es mal kurz zusammenzufassen: Der Autofahrer hätte entweder einen hinreichenden Sicherheitsabstand einhalten oder zügig überholen können. Beides lernt man in den allerersten Fahrstunden. Erst das dichte Auffahren hat die potentielle Unfallsituation provoziert (vgl. §1 StVO). In der weiteren Folge hielt der Fahrer mitten in der Abzweigung (rechts konnte ich bequem dran vorbei fahren, es hätte auch ein Auto vorbeigepasst, vgl. §12 StVO), hupte (vgl. §16 StVO) und hielt abschließend in 2. Reihe (nochmals §12 StVO). Wie der Herr Polizist sein Verhalten im Gespräch mit mir mit dem Leitbild der Polizei in Bayern in Einklang bringt entzieht sich hingegen meiner Kenntnis.