Unterschätzte Unterlage
Wenn Mensch so über die Merkmale seines elektronsichen Rechenknechts erzählt, so verliert er sich gerne in diverse KiloMegaGigaTera-Bytes an Speicher, die die verschiedenen Komponenten so besitzen: Hauptspeicher, Grafikkarte, Level17-Cache und Festplatte. Nun gut: Hab ich alles und zwar ausreichend. An meinem GnuPad gibt es auch sonst noch ein paar Nettigkeiten, wie den TrackPoint oder die Tastaturbeleuchtung, die ich sehr schätze: Ersteren, weil er die Maus auf Reisen tatsächlich entbehrlich macht, letztere, weil man sie mit geeigneter Software zur Lichtorgel für die auf dem Pad abgespielte Musik machen kann. Wie bereits gesagt: Nettigkeiten, aber auch kein wirkliches Alleinstellungsmerkmal.
Dann geht es an die Peripherie: Im stationären Betrieb hängt noch eine Maus dran. Hier bevorzuge ich Geräte, die vielleicht ein wenig gegen den allgemeinen Trend, abzulesen an den Zeigegeräteregalen einschlägiger Elektronikhändler, gehen: 2 Knöpfe, ein Rad und so klein und unergonomisch geformt, wie es geht. Das reicht. Aber auch da bin ich leidenschaftslos: Wenn eine über die Pegnitz geht, dann schau ich entweder in meine Grabbelkiste gut abgelagerter Computeraltteile nach einem funktionierenden Ersatz oder greife zum Sonderangebot beim Discounter oder oben genannten Händler.
Eine Kleinigkeit hingegen möchte ich schlichtweg nicht missen: Es ist ca. 22cm mal 18,5cm groß, 5mm dick und macht die Computerei zu Hause angenehm, wenn nicht gar zum Erlebnis: Mein Mauspad.
Zwar sind die heutigen optischen Mäuse prinzipiell für fast jede Oberfläche geeignet, und die, die ich in den letzten Jahren nutzte funktionierten prinzipiell tadellos, egal ob auf dem Kieferfurnier des Küchen-, der Linoleumoberfläche des Schreib- oder dem Tafellack des Wohnzimmertisches: Der Bildschirmpfeil folgte brav der Mausbewegung wie das Gnu dem vor die Nase gehaltenen Grasbündels. Jedoch ist es einfach kein schönes Mausschubsen: Es ist immer so etwas kratzig-schabendes Gefühl dabei, vor allem auf dem Linoleum und dem Tafellack, welches irgendwie an Robert Shaw in seinem ersten Auftritt in 'Der weiße Hai' erinnert. Um all dies zu vermeiden, nutze ich eben ein Mauspad. Aber nicht irgendeins. Ich habe viele ausprobiert: Dicke, dünne, mit Schaumstoff-, Textil- oder Kunstlederoberfläche, glatt, riffelig, ohne und mit orthopädisch-ergonomischer Handauflage... Was einem halt so vor die Hufe kam. Nichts davon gab das richtig gute Mausflutschgefühl. Ein weiteres Ärgernis war, dass die Pads nie an der Stelle blieben, wo sie hingelegt wurden. Der im allgemeinen genutzte Schaumstoff für die Unterlage hat einfach einen zu geringen Reibungskoeffizienten. Ich war also mit der Gesamtsituation unzufrieden...
...bis mir vor ca. 10 Jahren das perfekte Mauspad unterkam. Die Firma Sun Microsystems lieferte bis dahin mit ihren Workstations optische Mäuse aus, die ein spezielles metallenes Mauspad mit einem aufgedruckten Linienraster benötigten. Dies wurde der Firma wohl zu teuer und legte also jedem neu ausgelieferten Desktop-Rechner eine konventionelle mechanische Maus inklusive Mauspad bei. Und dieses war genau das richtige: Ein Nylongewebe als Oberfläche, welches die Maus ohne ernsthaften Aufwand gleiten lies, diese aber auch an der Stelle stoppte, an der man den Mausschubsdruck auf 0 reduzierte. Eine Zwischenschicht aus feinporigem, stabilen Schaumstoff, welche den exakt richtigen Kompromiss zwischen präzisionsfördernder Härte und handschmeichelnder Weichheit traf. Eine gummierte Unterseite, die das Pad unerbittlich an der Stelle hielt, an der man es hingelegt hat. Einfach perfekt.
Da diese Erstbegegnung bei einem Rechner meines damaligen Auftraggebers stattfand, konnte ich zunächst nur im Büro dieses Pointingdevicegefühl erleben. Doch schon recht bald danach sah ich genau so ein Mauspad auf dem Trempelmarkt in Nürnberg: Gesehen, gekauft, genossen.
Jahrelang war es in Bentzung, und wie es bei textilen Oberflächen nun mal so ist, wird diese auf Dauer schmodderig von all den Dingen, die man an den Händen hat: Hier mal eine umgeschmissene Kaffeetasse, ein paar Krümel, etwas Zigarettenasche. Und darunter litt auch das Mausschubsgefühl: Die Oberfläche wurde rutschig und das satte Sun-Blau vergraute.
Nun, hab ich mir gedacht, es wäre doch verwunderlich, wenn dieses perfekte Accessoire nicht auch waschbar wäre. Also landete es bei nächster Gelegenheit mit Socken, Hemden und T-Shirts in der Waschmaschine und siehe da: Leuchtendes Blau! Perfekte Mausgleiteigenschaften! Wunderbar!
Ein Problem gab es jedoch: Da sich beim waschen die dicke Schaumstoffschicht mit Wasser vollsog und auch durchs Schleudern nicht in befriedigendem Umfang trocknete, dauerte es îmmer mehr als 1 Tag, bis es wieder einsatzbereit war. In der Zwischenzeit musste ich wieder über schubbelige Oberflächen mausschaben.
Und es war wieder ein Flohmarkt, diesmal die heimische Graffl-Ausgabe, der mir ein zweites Exemplar verschaffte. Und seitdem ist das Glück perfekt: Wenn das benutzte Mauspad langsam schmoddrig wird, so liegt immer ein frischgewaschenes parat, welches nahtlos in Dienst gehen kann, während das 'alte' einfach auf die nächste Fuhre Wäsche wartet. Zwar sind im Laufe von nunmehr 8 Jahren der Benutzung ein paar Flecken entstanden, die einfach nicht mehr rausgehen und auch ein Brandloch einer Zigarette, aber nach wie vor ist das Mausschubsen für mich ein taktiles Vergnügen: Danke, Sun!
